Winnenden – und jetzt?

Ich kann meinem Kollegen nur beipflichten: Schuld an dem Amoklauf sind weder (nur) die in den letzten Tagen wieder einmal verteufelten Killerspiele, noch (nur) die Eltern, noch ein zu schwaches Waffengesetz in Deutschland. Schuld ist die Gesellschaft – also wir alle! – die einen Jugendlichen durch die Art der Behandlung und des Umgangs mit ihm zu einer solchen Tat befähigt…

Individualismus ist neben Finanzen eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft und wer nicht die Ellenbogen hat, um sich nach oben zu kämpfen, bleibt irgendwann auf der Strecke. Solch eine Tat ist keine Kurzschlussreaktion auf ein Ereignis in jüngster Vergangenheit, sondern vielmehr ein Prozess, eine Entwicklung über mehrere Jahre. Wer von anderen (der Gesellschaft) Tag für Tag zu spüren bekommt, dass er nicht gewollt und für andere “nichts wert” ist, versinkt als Konsequenz daraus irgendwann in einer Spirale aus Selbstmitleid, Wut, Trauer und Hass.

Manch einer dieser verzweifelten Jugendlichen wird sich ein weniger spektakuläres und damit auch medienträchtiges Ende herbeiwünschen und taucht damit lediglich in den Statistiken als “Unfall mit Personenschaden” oder auch irgendwas mit “suizidaler Absicht” auf. Ab und an jedoch wollen diese Jugendlichen auf ihre Situation aufmerksam machen und lassen ihrer Verzweiflung in solch schrecklichen Taten freien Lauf.

Und jetzt? Was ist zu tun? Weder eine Hochsicherheits-Schule, noch ein (noch) strengeres Waffengesetz, noch ein Killerspielverbot können Abhilfe schaffen und verhindern, dass sich solche Taten in Zukunft wiederholen. Wir sind gefragt! Wenn wir uns schon als “soziale Marktwirtschaft” ansehen, warum nicht auch als “soziale Gesellschaft”? Weg vom “Ich, ich, ich…”, weg von Medien-Idolen, die nicht mehr und nicht weniger als “heiße Luft” sind, hin zu einem “Wir-Gefühl”: Ehrliches Interesse am Nächsten, gut ausgebildete Sozialpädagogen und Psychologen, die die heranwachsende Jugend in unserem Land in einer ihrer schwersten Lebensphasen professionell betreut und last but not least ehrenamtliches Engagement von und für Jugendliche. Da haben WIR eine Verantwortung. Da müssen WIR handeln!

Ein Projekt, was sich genau diesen Eckpunkten widmet (und ich darf sagen, Sie tun das mit Erfolg!) ist das Jugendzelt: Ein sozial-missionarisches Projekt, was die Jugendlichen mit all ihren Problemen, Sorgen und Ängsten im Blick hat. Ein Projekt, wo sie so kommen dürfen, wie sie sind. Ein Projekt, wo sie Wertschätzung und Anerkennung erfahren, wo sich niemand ein Urteil über sie erlaubt oder sich über sie stellt. Ein gutes Projekt. Ein Projekt, dass noch (finanzielle) Unterstützung gebrauchen kann. Ein Projekt, das wirklich “Trittbrettfahrer” animieren sollte… Weitere Informationen gibt es unter www.jugendzelt.de.


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